Kritiken

„Die irdene Oberfläche und die geheimnisvolle Tiefe der Dinge“
(Salzburger Nachrichten, 31. Mai 1994, über „Berührungen“, 11 Klangbilder op. 61, von Reinhard Kriechbaum)

„Die Begegnungen der so unterschiedlichen Welten des Streichquartetts und des Volksmusik-Instruments, das in der zeitgenössischen Musik der letzten Jahre ungeahnte Erweiterungen seiner Möglichkeiten erfuhr, sind in unprätentiöser Weise delikatest organisiert, ohne Klischees auszuwalzen.“
(Salzburger Nachrichten, 1995, über 5 incontri op. 65, von Heinz Rögl)

„Die Kompositionstechnik von Herbert Grassl ist vor allem durch «Klangmanipulationen» geprägt. Diese werden durch den Einsatz von Mikrotönen, durch gestaffelt wechselnde Dynamik im Bereich der verschiedenen instrumentalen Klangfarben, durch die Vermischung traditioneller und ausgeweiteter instrumentaler Spieltechniken und in Kombination mit Mikroglissandi, Klangtriller etc. erreicht. Aus einfachen harmonischen und melodischen Strukturen entsteht damit ein komplexes Klangbild. Die rhythmische Disposition ist zeitweise so angelegt, dass der Eindruck einer Asynchronisation entsteht; ein «Auseinanderfallen» simuliert wird. Eine Art «Übermaltechnik» bietet Möglichkeiten für stark emotional wirkende Zustände, die als zart depressive Stimmungen oder als «Pressionen», «Schläge», «Ausbrüche» wahrgenommen werden.“
(World Music Days 2000 Luxembourg, Programmheft, über Orchesterstück 7)

„Ferne, Einsamkeit und das Verwischen örtlich-zeitlicher Seins-Befindlichkeit in den Gedichten von Juan Ramón Jiménes artikulierte Bernadette Furch mit profund ausgeformter, ausdrucksmäßig fein balancierter Altstimme, stets eingebettet in Herbert Grassls mehrschichtige Stimmungsbilder, die neben formaler Wandlungsfähigkeit auch durch instrumentatorische Rafinesse (Trompete und Röhrenglocken!) überraschten.“
(Heilbronner Stimme, 21. März 1998, über „Y nada sucede“ op. 74, von Lothar Heinle)

„Gläsernes Flageolett der Violine, verfremdete Klangdimensionen von Klarinette und Horn, Pulsschläge und Peitschenhiebe des Schlagzeugs künden von unveränderbaren Schmerzen des Körpers und der Seele ... vermitteln die Zerbrechlichkeit der Klangsprache.“
(aus Salzburger Volkszeitung, 3. Nov. 2001, über „Tenebrae“ nach Paul Celan op. 99, von Robert Wolf)

„Herbert Grassl teilte den Text auf und formte daraus mit sehr sparsamen Mitteln 14 musikalische „Stationen“: Nachdenk-Inseln ... im Sinn eines Lieds.“
(Salzburger Nachrichten, 3. Nov. 2001, über „Tenebrae“ nach Paul Celan op. 99, von Reinhard Kriechbaum)

„Der Südtiroler Herbert Grassl und der Ägypter Hossam Mahmoud, Ersterer Professor, Zweiterer ehemaliger Student am Salzburger Mozarteum, entspannten in ‚Eingeklemmt’ einen packenden Dialog, wobei ein gemeinsam geschriebener Teil mit seiner Überlagerung der Materialschichten der perspektivenreichste war.“
(Der Standard, 9. September 2008, von Daniel Ender)

„Herbert Grassl hat zwei Canzonen Lentinis für Vokalensemble, Akkordeon und zwei Schlagzeuger komponiert und nun, drei Jahre nach der auch als CD dokumentierten Uraufführung in seiner Südtiroler Heimat, erstmals in Österreich präsentiert. Grassls Werk lotet die Expressivität der altitalienischen Sprachbilder einer brennenden Liebe mit kraftvoller Klanglichkeit aus. Die zeitlose Qualität der Texte kommt ebenso zum Vorschein wie eine gewisse Grandezza der Sprache. Vor allem schafft es Grassl, am Puls unserer Zeit zu schreiben, ohne den Pulsschlag des Lebens zu vergessen. Bei aller Lust an experimenteller Wortmusik ist es eben doch menschlicher, oft berührender Gesang, der den eigenen Reiz dieses meisterhaft ausgeformten Stils ausmacht.“
(DrehPunktKultur, 2013, von Paul Kornbeck)

„Die Musik nutzt Gregorianischen Choral und Mönchsgesänge und entwickelt einen ruhig fließenden, wirkungsvollen deklamatorischen Stil, der der Würde von Stoff und Gattung und des Raums Rechnung trägt.“
(Salzburger Nachrichten, 21. Juni 2013, über „Harisliz“, von Karl Harb)

„Harisliz - ein althochdeutsches Wort für Heeres- oder Fahnenflucht - wurde von den Salzburger Orchester Solisten, angeführt von Konzertmeister Frank Stadler, unter der Leitung von Kai Röhrig uraufgeführt: Mit größter Transparenz und größter Intensität spannten sie die klangsinnlichen und zugleich klaren musikalischen Linien, entfalteten sie die atmosphärisch dichten, schwebenden Stimmungen der Partitur von Herbert Grassl.“
(DrehPunktKultur, 22. Juni 2013, über „Harisliz“, von Heidemarie Klabacher)

„Nicht zuletzt dank des (…) Kammerorchestersatzes, der im mikrotonalen Dickicht immer wieder Momente der Helle bereithält, ist Herbert Grassl ein überzeugendes Werk gelungen.“
(Salzburger Volkszeitung, 24. Juni 2013, über „Harisliz“, von Florian Oberhummer)